PlakatePoem

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Für Deine ungeborene Tochter

Für meine ungeborene Tochter

koserow

Mittsommer

Von BäerenSträuchern und einem Pferd

Also Leute,

mein Sohn hat mir den Blog neu gemacht, so kann ich meine neusten Gedichte einfach so auf die Seite schieben, klasse. Das mache ich jetzt mit den Gedichten vom Sommer. Für alle, die die Gedichte “Für meine ungeborene Tochter” und “Für Deine ungeborene Tochter” noch nicht gefunden haben, die kommen gleich noch mit auf die Seite. Dass die Seite schöner aussieht, bring ich einen lustigen Tischspruch aber schriftlich nach vorn drauf. So, viel Spass beim Lesen. Danke, Andre!

Marianne

Täves Tischsprüche für Kinder

Eine Zuccini aß Tortelini und fuhr im Bikini mit einem Mini die Straße entlang eh ich sie verschlang, Tortelini gleich mit, Guten Appetit!

Eine Tomate schlug mit Karate viele Quadrate für die Salate, das machte mich bang bis ich sie verschlang, Salate gleich mit, Guten Appetit!

Eine Spagetti auf dem Tabletti schnitt ich zu Konfetti für Tante Netti, denn sie war krank, sie ist wieder fit, Gute Appetit!

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Täves und Oma Jannes Frühlingslied

la la la la la la la la

Die Blumen kommen wieder vor.

Ein Vogel singt mir was ins Ohr

Die Bäume haben kleine Blätter.

Es ist ein tolles Frühlingswetter.

la la la la la la la la

Ich brach nicht Mütze und nicht Schal,

‘ne leichte Jacke allemal.

Dann gehe ich ganz schnell nach draußen

und tob mit meinen Frühlingsflausen.

La la la la la la la la

Der Osterhas versteckt ein Ei

und ich belausche ihn dabei.

Dann ruf ich: “Osterglocke läute!”

und ziehe ab mit meiner Beute.

La la la la la la la la

Jetzt kommt der Frühling angerannt

und wedelt mit dem blauen Band.

Der Duft der Blüten in den Zweigen

lässt Bienen in die Bäume steigen.

La la la la la la la

Dann

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Das Plagiat

Das Plagiat

Für Klaus Theobald zu Guterletzt

Der Poet ist ein Athlet.1
Er leitet spät
des nachts geschwind2
Gedanken, die nicht seine sind
zum stillen Ort.
Und er treibt Sport
mit fremdem Wort,3
ist ein genialer Hexenmeister,
denn nun solln verborgne Geister
auch nach seinem Willen leben.4
Sie leben, sie weben.
Sie weben hinein den dreifachen Fluch5
wo immer ich such sein wertvolles Buch.6
Er scheint gut und groß,7
legt seine Schatten auf die Sonnenuhren.
Und in Regierungsfluren
lässt er die Winde los.8
Doch Sumpf zieht am Gebirge hin.9
Nach Ruhm und Ehr stand ihm der Sinn,10
bewegt’ sich gern in feiner Welt,
der Dichter, der was auf sich hält,
denn erst in ganz abstrusen Kreisen
lernt man unrechte Redensweisen.11
Aus solchem Bad in trauter Menge,
aus der Straßen dunkeler Enge,
aus der lügenheimlichen Nacht,
ist nun die Wahrheit ans Licht gebracht12
an stillem Ort, im Katzenklo.13
Seine Parteifreunde sind frei und froh
und plaudernd an den Dichter heran
tritt alles, wie lang noch, Doc?14 Wen geht er noch an?
Wer hört ihn? Hört die Frontfrau noch ihren Mann?
Partei ist die Hand der Millionen Finger,15
Reich christdemokratischer Segensbringer,
wo er nach Feierabend gräbt
und auch das Wochenend verlebt.16
Weil er es so mag,
so nach seiner Verfassung und Verfassungsvertrag.17
Wenn sich die Wipfel neigen
allabendlich im Wind
dann geht es durch sein Schweigen:18
sein Lebenstraum zerrinnt.
Denn wie wir es auch fügen,
verhöhnt Mann das Gebot
– Nicht stehlen und nicht lügen -19
ist Mann politisch tot.
Jemand gab seinem Werk einen ganz kleinen Stips
und da war es aus Gips.20
Amen21

Fußnoten    (↵ returns to text)
  1. Dietmar Schade/ frei nach Dietmar Schade, Der Poet, Anthologie des Zirkels Schreibender Schüler Bad Freienwalde
  2. frei nach Johann Wolfgang Goethe, Erlkönig, Deutsche Poesie, Lechner Verlag
  3. Dietmar Schade/ frei nach Dietmar Schade, Der Poet, Anthologie des Zirkels Schreibender Schüler Bad Freienwalde
  4. frei nach Johann Wolfgang Goethe, Der Zauberlehrling, Goethe ein Lesebuch für unsere Zeit, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
  5. Heinrich Heine, Die schlesischen Weber, Heine ein Lesebuch für unsere Zeit, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
  6. frei nach Christel Schade, Das gute Buch, Das Große im Kleinen, Selbstverlag
  7. Heinz Rudolf Kunze, Einmal noch und immer wieder, CD Protest
  8. frei nach Rainer Maria Rilke, Herbsttag, http://www.onlinekunst.de/rilke/herbsttag.html
  9. Johann Wolfgang Goethe, Faust – der Tragödie zweiter Teil – fünfter Akt, sonst wie 3
  10. Ritter Peter v.Stauffenberg und die Meerfeye, des Knaben Wunderhorn
  11. frei nach Wilhelm Busch, Hinten herum, Wilhelm Busch: Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, Bd.IV, Friedrich Bohne
  12. frei nach Johann Wolfgang Goethe, Osterspaziergang, sonst wie 3
  13. Helge Schneider, Liedtitel Katzenklo
  14. Theodor Fontane, John Meynard
  15. frei nach Wladimir Majakowski, Poem: Wladimir Iljitsch Lenin, Ausgewählte Gedichte und Poeme, Verlag Volk und Welt Berlin
  16. Erich Weinert, Feiertag eines Unpolitischen, Der Frühling braust, wir ziehn fürbaß, Henschelverlag Berlin
  17. Karl Theodor zu Guttenberg, Titel der Ex-Doktorarbeit, Universität Bayreuth
  18. frei nach Johannes R. Becher, Es sind die alten Weisen,
  19. frei nach Martin Luthers Kleinem Kathechismus, Die Zehn Gebote, Gebot Sieben und Acht
  20. frei nach Joachim Ringelnatz, Im Park, Sämtliche Gedichte, Diogenes
  21. Aklamationsformel in der Liturgie, Altes und Neues Testament

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Anthologie der Uckermärkischen Literaturgesellschaft ist da

Hallo Ihr da draußen,
heute möchte ich Euch mitteilen, dass die Anthologie – zwanzig Jahre Uckermärkische Literaturgesellschaft e.V. da ist. Sie heißt – Die Uckermark im Spiegel der Zeit – eine literarische Wanderung durch die Jahre. Sie ist erhältlich im Ehm-Welk-Heimatmuseum und Ihr könnt sie auch über mich ordern. Für wenige 12 EURO bekommt Ihr viel Gedichtetes und Geschichtetes. Seid gespannt.
Eins möchte ich Euch vorweg zum Lesen geben:

Für Deine ungeborene Tochter

leg meine Hand auf Deinen Bauch
den neuen runden weichen
wir schaun uns an und wissen es
sie gibt uns Zeichen

ich sing ihr was und Du summst mit
soprane Resonanzen
so warst Du auch in meinem Bauch
sie will jetzt tanzen

ich hab Dich für die Welt gewollt
und Du willst sie – auf Erden
haben wir zwei schon rumgetollt
so wie wir drei es werden

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Vom Fischer und seinem Begehr

(Ein Märchen der Gebrüder Grimm für die Menschen im Oderbruch)

Es war einmal, eine Eiszeit kam übers Land, umklammerte es lange Zeit und als sie dessen überdrüssig ward, ließ sie das Land wieder frei. Zurück blieben zu Berge geschobnes Geröll, und ein Fluss schlängelte sich und bildete vor den Bergen, die ihn von Ost und Westen bedrängten, den großen See.

Die so zurück gelassene Erde hatte Raum für alles mögliche Gewächs und Getier, auch für einen Fischer, der eine Angel in den See stippte. Er hatte alles, was er zum Leben brauchte, eine kleine Fischerhütte dicht am See und Fische zum Essen und wenn er Stiefel oder Seife brauchte, gab er Fische dafür her. Alle Tage ging er an den See und er angelte und er angelte und angelte.

So saß er auch einmal mit seiner Angel und sah immer in das klare Wasser hinein, und so saß er nun und saß.

Da ging die Angel auf den Grund tief hinunter und als er sie herauf holte, da holte er einen großen Hecht heraus. Da sagte der Hecht zu ihm: „Hör mal Fischer, ich bitte Dich, lass mich leben, ich bin gar kein richtiger Hecht, ich bin der verkleidete Wassergeist Viadrus. Was hilfts Dir, wenn Du mich tot machst? Ich würde Dir doch nicht recht schmecken; setz mich wieder ins Wasser und lass mich schwimmen!“ „Nun“, sagte der Mann, „Du brauchst nicht so viele Worte zu machen; einen Hecht, der sprechen kann, werde ich doch wohl schwimmen lassen.“ Damit setzte er ihn in das klare Wasser, da ging der Hecht auf den Grund und ließ einen langen Streifen Blut hinter sich. Da stand der Fischer auf und ging nach Haus in seine kleine Hütte.

Er setzte sich an den Tisch und hatte Hunger. Er dachte: „ich fing einen Hecht, der sagte, er wäre der verkleidete Wassergeist Viadrus, da hab ich ihn wieder schwimmen lassen, jetzt habe ich nicht mal zu Essen. Warum habe ich mir denn nichts gewünscht? Was zu Essen hätte ich mir wünschen können, anderes auch. Ein sprechender Hecht kann sicher größere Wünsche erfülln. Und wie leb ich denn hier in der kleinen dunklen feuchten Hütte, ich hätte mir ein Häuschen wünschen können. Ich geh noch mal dahin und rufe ihn. Ich sage ihm, ich wollt ein kleines Häuschen haben, er tut das gewiss.“ So dachte der Fischer und ward doch seines Entschlusses wegen zögerlich. „Ach, was soll ich da noch mal hin gehen? Oder doch? Ich hatte ihn gefangen und habe ihn wieder schwimmen lassen, er tut das gewiss. Ich gehe gleich hin.” So hin und her gezogen von Begehren ging er hin an den See.

Als er dorthin kam, war der See ganz grün und gar nicht mehr so klar. So stellte er sich hin und sagte:

„Hecht Du, Hecht Du Timpe Te
Hecht Du, Hecht in Deinem See
In meinem Kopf ist ein Begehr
schaff es her!“

Da kam der Hecht angeschwommen und sagte: „Na, was willst Du denn?“ „Ach“ sagte der Fischer, „ich hab Dich doch gefangen gehabt; nun habe ich mir gedacht, ich hätte mir was wünschen sollen. Ich mag nicht mehr in meiner Hütte hausen, ich will gern in einem kleinen Häuschen wohnen.“ „Geh nur hin“, sagte der Hecht, „Du hast es schon.“

Da ging der Fischer hin und was er sah, war nicht das Fischerhüttchen, an seiner Stelle stand ein kleines Häuschen. Er setzte sich davor auf eine Bank. Er ging hinein und in dem Häuschen war ein kleiner Vorplatz und eine kleine, allerliebste Stube und Kammer, wo sein Bett stand, und Küche und Speisekammer, alles aufs beste mit Gerätschaften versehn, aufs schönste aufgestellt, Zinnzeug und Messing, was dazu gehört. Dahinter war auch noch ein kleiner Hof mit Hühnern und Enten und ein kleiner Garten mit Grünzeug und Obst. „Ja“ sagte der Fischer, so soll es sein, nun will ich recht vergnüglich leben. Er aß und ging zu Bett. Jetzt war er Hausherr.

So ging das wohl nun acht oder vierzehn Tage; da war der Hausherr unzufrieden mit sich selbst. „Was ist das schon, ein Häuschen klein und eng, ein Garten winzig bloß, ich will eine Stadt. Der Hecht hätte mir wohl auch eine Stadt schenken können. Ich möchte wohl Herr über eine Stadt sein. Ich gehe hin zum Hecht, er soll mir eine Stadt schenken.“ So dachte der Hausherr und ward seines Entschlusses wegen zögerlich. „Ach, was soll ich da noch mal hingehen? Mir geht’s doch gut. Ich mag nicht gleich wiederkommen, den Hecht könnte das verdrießen. Oder doch nicht? Er kann das recht gut und er tut das auch gern.“ So ging er denn hin.

Als er an den See ankam, war das Wasser ganz violett und dunkelblau und grau und dick und gar nicht mehr so grün und gelb; doch war es noch still. Da stellte er sich nun hin und sagte:

“Hecht Du, Hecht Du Timpe Te,
Hecht Du, Hecht in Deinem See
In meinem Kopf ist ein Begehr.
Schaff es her!“

„Na, was willst Du denn?“ fragte der Hecht. „Ja“, sagte der Hausherr zögernd noch, „möchte Herr über eine Stadt sein.“

„Geh nur hin, sie liegt vor Dir, von hier bis zu den Hügeln rauf im Westen, das ist Deine Stadt.“

Da ging der Hausherr hin und dachte, das ist ja großartig, die Häuser, die Straßen, der Brunnen am Markt. Da waren so viele Bürger, die traten vor ihre Türen und Läden und winkten ihm zu. Inmitten der Stadt fand ein Markttreiben statt. Die Stände waren so voll guter Ware, voll irdenem Zeug wie Krüge und Teller und Schmuck und voll kunstvollem Stoff, als ob sie brechen wollten. Kühe und Pferde waren zu sehn und Kutschwagen fuhren – alles zum Besten; auch war da ein herrlicher Park, wohl eine halbe Meile lang; da waren Rebhühner und Pfauen darin und alles, was man sich nur immer wünschen mochte. „Ist das nun nicht schön“ dachte der Stadthalter. „So soll es auch bleiben, nun will ich auch zufrieden sein.“ Darauf ging er zu Bett.

Am anderen Morgen wachte er auf, es war eben Tag geworden, und er sah von seinem Bett aus durch das Fenster die Stadt, den großen Hechtsee und die fernen Hügel hinter dem Fluss. „Ach“, dachte der Stadthalter „So eine weite Fläche nur Wasser, nur Nichts, könnte meine Stadt nicht mit saftigen Wiesen und fettem Acker umgeben sein, anstatt mit diesem Nichts; ich könnte doch Bauern ansiedeln aus fernem Land, die könnten säen und ernten und meine Stadt mit allem Essbarem versorgen und mit Bier. Das wäre mal was.“ So dachte er nun und sprang in seine neuen Stadthaltersachen mit Stiefeln, Kette und Hut und stiefelte den Weg zum See entlang. Auf diesem Weg wurde er zögerlich: „Vielleicht ist das nicht recht; der See gehört dem Hecht; er wird das wohl nicht tun, es kann ihm nicht gefalln.“ Die Schritte wurden klein. Er sah zurück auf seine Stadt. „Ich denk, ich sag dem Hecht, es sind die Bürger, die die Bauern brauchen, zu Essen ist nur Fisch, da muss noch Wurst dazu und Brot und Butter. Und er schritt kräftig zu.

Und als er an den See kam, da war der See ganz schwarzgrau, und das Wasser quoll so von unten herauf und stank auch ganz faul. Da stellte er sich hin und sagte:

„Hecht Du, Hecht Du Timpe Te,
Hecht Du, Hecht in Deinem See,
in meinem Kopf ist ein Begehr,
schaff es her.“

„Na, was willst Du denn?“ sagte der Hecht. „Nun“, sagte der Stadthalter, „ich will, dass aus dem vielen Wasser fruchtbares Land wird, das meine Bürger ernährt. Ich will sozusagen eine Kolonie erringen ohne Krieg.“ „Und das hast Du gut überlegt?“ fragte der Hecht. Da schlich das schlechte Gewissen heran, doch der Stadthalter spürte es schon und er trat einfach drauf. „Ja, ich habe das gut überlegt. Saftige Wiesen möcht ich und fette Äcker, nicht diesen Sumpf!“
„Geh nur hin“ sagte der Hecht und zog sich zurück in den Fluss. Da ging er hin und das Oderbruch dehnte sich vor ihm aus. Was für ein Land, da war er Landesherr. Deiche waren da, Wiesen und Feld. Da ließ er Bauern kommen von überall her. Die Saat ging auf und neue Früchte wuchsen. Da gabs Fabriken für die Zuckerrüben, für Tabak auch. Und in der Stadt entstand ein Scheunenviertel, ein Tabakladen bot Zigarren an. Schafe grasten auf den Deichen und in den Wiesen Milchvieh braun und bunt gefleckt. Nach Jahren harten Ringens mit dem Land gab es von allem einen Überfluss. Da tat es Not, sich Handelswege zu erkunden. Der Landesherr ließ Boten in das Umland ziehen. Wie konnte nun die Ernte so zu Reichtum werden, zu Goldtalern und Silberlingen, für die man alles auf der Welt bekam. „Ich brauche Straßen, die ins Land gehen zu den großen Städten. Ich brauche Brücken, die den Fluss passieren. Gespanne sollen fahren drauf mit Ackerwagen. Ich brauche diese neue Eisenbahn, überall hin sollen Schienen in das Land gehn. Stahlrösser sollen fahren drauf mit vielen Wagen.“ So dachte er und stellte es sich vor. Das Oderbruch belieferte die großen Städte. Und zu ihm flossen Gold und aller Reichtum. Er war ein reicher, reicher, reicher Landesherr. So dachte er und dachte an den Hecht.
Der Weg war weiter als zuvor. Er musste hin zum Fluss. „Hej, Knecht, spann an!“ Dann raste er davon vom Traum getrieben. Und als die Räder schwerer wurden durch die Last der Kutsche, die nasse Erde, die dran kleben blieb und drehten langsamer den Kreis, wurde der reiche, reiche, reiche Landherr zögerlich. Es schämte ihn, dass er dem Hecht den See genommen hatte, vielleicht war das nicht recht. Die Kutsche stockte und ruckte sich nicht vor mehr und zurück. Der Weg war aufgeweicht. „Doch! Ich brauch Straßen! Straßen!“ Indess kam er zu Fuß die letzten Meter. Da war der Fluss noch ganz schwarz und dick und fing an, so von unter herauf zu schäumen, dass er Blasen warf, und es ging so ein Wirbelwind über den Fluss hin, dass er sich nur so drehte. Und den reichen, reichen, reichen Landesherren ergriff ein Grauen. Da stand er nun und sagte:

„Hecht Du, Hecht Du Timpe Tuss,
Hecht Du, Hecht in Deinem Fluss
in meinem Kopf ist ein Begehr,
schaff es her.“

„Na, was willst Du denn?“ sagte der Hecht. „Hecht“ sagte er, „Die Wege sind so schlecht. Ich brauche Straßen, die ins Land gehen zu den großen Städten. Ich brauche Brücken, die den Fluss passieren. Gespanne sollen fahren drauf mit Ackerwagen. Ich brauche diese neue Eisenbahn, überall hin sollen Schienen in das Land gehn. Stahlrösser sollen fahren drauf mit vielen Wagen.“

„Fahr nur hin“ sagte der Hecht, „so ist es schon.“ Da wandte der reiche, reiche, reiche Landesherr dem Fluss den Rücken zu und vor ihm stand die Kutsche auf der neuen Straße. Die Straße fügte sich ganz fest mit schönem Pflaster auf altem Weg und sie verlief von ferne kommend von der Stadt ans Ufer hin zu dem Brückenpfeiler. Sie teilte sich die Überfahrt der Brücke recht mit den Gleisen, die die Züge trugen. Das war ein Spass, das rollte und verkehrte und transportierte, dröhnte, röhrte. Er war es zufrieden. „Das hat er gut gemacht, der Hecht, ich bins zufrieden.“ dachte er und er war ein Minister. Er nahm die Eisenbahn für seine Rückfahrt, einen Wagen erster Klasse und er streckte seine müden Beine, daran schmutzige Stiefel waren, auf das Polster vor ihm aus. Mit Jubelsturm empfingen ihn die Bürger und die Bauern, Kaufleute, Bänker, die anderen Stadthalter und die Landesherren. Jedermann und alle Ware erreichten jetzt das Land hinter den Bergen im Westen wie im Osten, dem Fluss wurde ein Hafen eingebaut. Gespanne, Dampfrösser mit Vieh- und Güterwagen und Dampfer fuhren nun in alle Welt. Die Waren gingen nun in alle Welt und es floss Gold und Silber wieder her. Und weil er alles so perfekt organisierte, führte er Zölle ein und Steuern. Ein jedes Stück floss ihm zur Hälfte zu, seins warn die Straßen und die Eisenbahnen und die Gesetze warn von ihm. Und er regierte und regierte und regierte.
Und er schlief gut und fest und während dess schlich sich ein böser Traum in seinen Kopf. Er träumte wohl, er wäre Präsident von allem Land von hier bis hinter alle Berge. So träumte er und wurde wach mit diesem Traum. Da sprang er zornig von der Bettstatt auf und er rief zornig aus: „Das ist mein Reich.“ Da stürzte hin zum Fluss. Er stürmte auf die Brücke und brüllte nach dem Hecht.

Da strich so ein Wind über das Land, und die Wolken flogen, und es wurde so düster, wie gegen Abend zu; die Blätter wehten von den Bäumen, und das Wasser ging hoch und brauste so, als ob es kochte, und platschte an das Ufer, und in der Ferne, da sah er die Schiffe, die gaben Notschüsse ab und tanzten und sprangen auf den Wogen. Da wurde ihm ganz bange zumute, ihm war ganz flau, er zitterte und bebte, und die Knie und Waden schlotterten ihm. Doch der Himmel war in der Mitte noch so ein bisschen blau. Und er stand so überm Wasser und der Hecht so tief da unten. Drum fasste er Mut und sagte:

„Hecht Du, Hecht Du Timpe Tuss,
Hecht Du, Hecht in Deinem Fluss,
in meinem Kopf ist ein Begehr,
Schaff es her.“

„Na, was willst Du denn?“ sagte der Hecht. „Ich will“ schrie er, „ich will, dass Du mir alles gibst für einen Krieg. Ich will das Land erobern, dass im Westen liegt hinter den Bergen fern und das im Osten. Ich will, Kasernen will ich, Panzer, schnelle Straßen, Soldaten, Kompanien, Divisionen, Tarnkappenbomber, alles will ich haben. Und mach das schnell!“ Der Hecht schwamm fort, Meilen entfernt, dass ein ganz großer Abstand zwischen ihnen war. Mit seiner Schwanzflosse schlug er aufs Wasser einund seine Antwort trug er Wind davon. Dann ward es still.
Und dieser Stille folgte ein Tumult. Ein Mannschaftswagen preschte vor. Soldaten salutierten: „Zu Befehl, Herr Präsident, in welche Richtung!“ Da was es Krieg. Kein Stein blieb auf dem andern, kein Wald blieb unversehrt, der Fluss war rot von Blut. Was blieb da noch an Pflanzen und Getier. Es währte Wochen, Winterzeiten, Jahre. Dann hatte er die Macht. Er war ein Präsident. So weit das Auge reichte und noch weiter war alles untertan und alles war sein Reich. Darinnen ließ er alles größer, höher und verzierter bauen, mit Gold und Glitzerstein, Titan und Diamanten. Was brauchte er Zuckerfabriken, Plattenbauten, die Kleinbahn und die Panzerstraße, die die Stadt durchzog. Flugs auf den Schutthaufen Geschichte flogs. Für Häuser kamen Wolkenkratzer an die Stelle, für den Regierungssitz ein neues Schloss. Hierher lud er sich die Minister, Landherrn. Die Mäuler blieben ihnen offen stehen. Er konnte sich ergötzen an den Gaffern. In seinem Hochmut ließ er laut verkünden, er müsste Herrscher über alles sein. „So? Über alles?“ staunten die Minister, „Über die Welt? die Wälder? Auch dem Mond befehlen, ob er sich rund zeigt oder sich versteckt? Und was ist mit dem Wassergeist Viadrus?“ Da wurd der Präsident fuchsteufelsböse. Dem Heer voran marschierte es zum Hecht.
Draußen aber ging der Sturm und brauste, dass er kaum auf den Füßen stehen konnte. Die Häuser und die Bäume wurden umgeweht, und die Berge im Osten und Westen bebten, und die Felsstücke rollten in den Fluss und der Himmel war ganz pechschwarz, und es donnerte und blitzte, und der Fluss ging in so hohen schwarzen Wogen wie Kirchtürme und Berge, und oben hatten sie alle eine weiße Schaumkrone. Da schrie er, und er konnte sein eigenes Wort nicht hören:

„Hecht Du, Hecht Du Timpe Tuss,
Hecht Du, Hecht in meinem Fluss,
in meinem Kopf ist ein Begehr,
komm schon her!“

„Na, was willst Du denn?“ sagte der Hecht. „Ich will, ich befehle Dir, komm her! In meinem Schloss sollst Du in einem goldnen Becken schwimmen und wenn ich immer Lust hab, sollst Du zu Diensten sein.“
„Dann geh nur hin, es ist Zeit.“
Und er Hecht tauchte hinab zum Grund, der Fluss fror zu und es kam eine Eiszeit über das Land, umklammerte es lange Zeit. Als sie dessen überdrüssig ward, ließ sie es wieder frei. Die so zurück gelassne Erde hatte Raum für alles mögliche Gewächs und Getier.
Ein Fischer war nicht mehr dabei.

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Silvester

Stille Einkehr zu mir selber
Unterm Herrenhuther Stern
Tausend Jahre
Dicke Mauern
Halten mir den Trubel fern

In die Höhe steigt sie
Schwingt sie
Schwillt das Schiff von Tönen voll
Zimbeln Pfeifen
Und Toccata
Und Bachs Fuge in d-moll

Von den bleiverglasten Fenstern
Sinkt sie auf mich
Vor den Altar
Der Organist verbeugt sich
Danach
Fällt Schnee
Ist Januar

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fällt Schnee

Kahl liegt das leere Gartenbeet
in Dunkelheit, das Jahr ist spät
in diesen letzten kurzen Tagen
turmhoch und grau die Wolken jagen
so lasst es schnei’n, hört unser Bitten
sacht fällt die Pracht –
ist schon geschnitten.

Oh Schneegestöber, will Dich loben
und staunend stehn.
Doch es bleibt oben.

Grün spitzt die Saat im Gartenbeet,

Salat und Möhren sind gesät.

In diesen ersten milden Tagen

turmhoch und grau die Wolken jagen.

Nur weils auf Vorrat war geschnitten,

solls schnein?

Ich möchte doch sehr bitten!

Oh Schneegestöber, alter Plunder,

brauch Dich nicht mehr!

 

 

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